BraveheartBattle: Blut, Schmerzen, Spaß

0
Achilles-Leser Phil: schweißtreibendes Schlammbad beim Braveheart Battle (Foto: LAUF-NEWS.DE)

[su_note note_color=”#D3D3D3″ radius=”0″]Disclaimer: Dieser Artikel ist ein kleiner Bericht zum BraveheartBattle 2010, der ursprünglich auf achim-achilles.de veröffentlicht wurde.[/su_note]

Härter als Rambo: Achilles-Leser Phil hat sich beim Braveheart Battle in Münnerstadt blutige Knie und verschrammte Arme geholt. Ein Bericht über Schlamm, Matsch und Elektroschocks.

Entscheidungen sind nicht immer rational. So war es auch bei meiner Entscheidung, mich bei Achim Achilles um eine Wildcard für den Braveheart Battle 2010 zu bewerben. Dank meines gelungenen Halloween-Outfits und martialischer Pose, wurde ich auserwählt durch die Hölle zu gehen. Damals war mir gar nicht klar, worauf ich mich einließ.

Der Braveheart Battle ist ein Fun-Lauf, der in Anlehnung an die britischen Tough Guy Competitions ausgerichtet wird. Hierbei gilt es, die 18 Kilometer lange Strecke (GPS-Messung 20 km) nebst etlicher Hindernisse in kürzester Zeit hinter sich zu bringen.

Folgende Hindernisse galt es beim BraveheartBattle zu überwinden:
  1. Schäferswand “Brave Wall”: Ein höllisch hohes Kletterhindernis (sechs Meter) eröffnet den Parcours und macht die Bravehearts sogar insgesamt vier Mal schwindelig.
  2. Direkt danach zwingt der “Creep Trench” der Wach- und Schließgesellschaft Weingärtner die Läufer für 50 Meter auf die Knie …
  3. Schweißtreibend geht es weiter durch das Kombi-Kriech- und Kletterhindernis “Hell Pipes”/Seger-Tunnel, das den Läufern ein ständiges “Auf und Nieder” beschert.
  4. Das Stufenhindernis “Step Peel“/Bruckmüller-Krais-Stufen bringt die Bravehearts dem Himmel entgegen – und dem Sieg ein Stückchen näher.
  5. Nach eine längeren Strecke an der Lauer entlang, auf der die Läufer Tempo machen können, müssen sie den Fluss über die “Soapy Ropes” von Sponsor Bürotrechnik Höchemer überqueren – wer hier abrutscht, holt sich mehr als nur nasse Füße. Die Strecke wird nun auf der anderen Flussseite ohne weitere Hindernisse zurückgelaufen – nur unterbrochen von einer Verpflegungsstation von “Obst Schmitt”, Reichenbach, mit Wasser, Obst und isotonischen Getränken. Am Ende dieser Etappe müssen die Läufer die Hindernisse drei, zwei und eins noch einmal bewältigen.
  6. Mit einem “Riverdance” – Tanz über den Fluss – geht es weiter bei Station Nummer sechs: Nur wer über innere Balance verfügt, kommt trocken über die rutschige Dünisch-Brücke, direkt gefolgt von den
    “Straw Hump”-Swinger-Barrikaden: Münnerstadts “rote Meile” am Haus Nummer 6 besteht aus mehreren Strohballen in verschiedener Höhe.
  7. Bevor sich die Bravehearts wieder bei einer langen, geraden und Hindernis-freien Strecke erholen können, kommen sie zum “Hoop Tomb” von Sponsor Reifen Müller – sein Name lässt ahnen, woraus das “Knochenbrecher”-Hindernis gemacht ist.
  8. Eine echte Herausforderung wird der extrem anstrengende Quad-Schwarz-Graben, auch “Death Valley” genannt, bei dem es durch einen unwegsamen Hohlweg 3,5 Kilometer bergauf geht.
  9. Zum Abkühlen dürfen die Bravehearts danach durch die “Sludge Zone” von SiTec Wendel 50 Meter durch den Schlamm kriechen …
  10. Ein weiteres “Straw Hump”-Strohhindernis, die Reichenbacher Barrikaden, errichtet von der Reichenbacher Dorfjugend, wartet auf die Läufer, bevor es durch den Reichenbacher Schlammsee geht:
  11. Das “Loch Ness” ist nur für Schwimmer geeignet und bietet Mitte März sicher keine angenehmen Badetemperaturen. Das Hindernis wird von den Fischfreunden aus Reichenbach betreut.
  12. Bei der Outdoor-Extrem-Steigung “Hamburger Hill” auf 380 Höhenmeter quer durch den Wald wird es den Bravehearts sicher schnell wieder warm – aber vielleicht dem ein oder anderen auch schon die Kondition ausgehen.
  13. Mit der Bad Kissinger Höhe wird den Läufern mit Sicherheit “ein königliches Vergnügen” bereitet. Hier verteilt der Slalomparcours“Iron Curtain” leichte elektrische Schläge an unvorsichtige Läufer.
  14. Wenn es dann zurück nach Münnerstadt geht, müssen als erneutes Schlammhindernis die “Funk Holes” der Gessner-Gräben durchquert werden.

Durch die Wiederholung einzelner Hindernisse mussten insgesamt 33 Hindernisse bewältigt werden.

Was war das Schlimmste am Braveheart Battle?
  • Kälte: Die eisigen drei Grad der Flussläufe, vor denen ich anfangs am meisten Respekt hatte, waren relativ unspektakulär, da ich nur mit Sportschuhen, Hose und einem Lacrosse-Jersey bekleidet war. Diese Taktik hat mich über den Lauf gerettet, da ich nicht mit schweren, nassen Klamotten kämpfen musste. Die fehlende Wärme durch die Kleidung wurde durch die eigene Körpertemperatur ausgeglichen.
  • Matsch: Die gesamte Strecke wurde aufgrund des tauenden Schnees zur Rutschpartie. Teilweise lief man auf der Stelle, da die Schuhe keinen Halt im Morast fanden und man nur sehr schwer Balance fand.
  • Steigungen: Die Steigungen stellten meine Beine vor eine ungewohnte Belastungsprobe. Dieses Hindernis konnte man nur im Schneckentempo absolvieren und dürfte ein Grund für meinen Muskelkater gewesen sein.
  • Kriechstrecken: Auch wenn man als Läufer meist nur die Beine einsetzt, waren die Kriechstrecken relativ einfach zu überwinden. Zwar haben diese Hindernisse für etliche Hämatome gesorgt, diese waren jedoch während des Laufs, aufgrund des Adrenalins, kaum zu spüren. Problematisch war jedoch die Kälte des durchgefrorenen Bodens.
  • Schlammhindernisse: Die 2,5 Meter tiefen Baggerlöcher hätte ich ohne die Hilfe meiner Mitläufern nicht überwinden können. Die Ränder der “Funk Holes” waren sehr stark aufgeweicht und boten keinen Halt.
  • Kombi-Kriech- und Kletterhindernisse: Neben den Reifen waren die Kombi-Kriech- und Kletterhindernisse die härteste Herausforderung. Im ersten Anlauf waren sie problemlos zu absolvieren. Da die Kriech-Tunnel sich jedoch mit Säcken voller Rollsplitt abwechselten, waren diese im zweiten und dritten Anlauf mit kleinen Steinchen gefüllt, welche meine Knie aufrieben und zum bluten brachten.

Nach zwei Stunden, 46 Minuten und 32 Sekunden habe ich den Bravehart Battle bei einer Körpertemperatur von 29,6 Grad hinter mir gelassen. Mein Körper wurde mit Hämatomen übersät und meine Knie wurden aufgerieben und blutig gescheuert. Dank der Notfallversorgung durch das Rote Kreuz wurde mir schnell wieder warm und meine Verletzungen fachmännisch versorgt.

Fazit: Für mich war der Braveheart Battle eine spannende Herausforderung, die mir die Grenzen meines Körpers gezeigt hat. Im Vergleich zu einem Marathon ist die psychische Belastung, zumindest für mich, geringer. Man hat quasi gar keine Zeit, um über die Schmerzen und ein Aufgeben nachzudenken.

Bei einem Marathon ist dies ganz anders. Jeder Läufer kennt die seelische Qual, die bei Kilometer 33 einsetzt. Körperlich sind Bravehart Battle und Marathon auch nicht vergleichbar. Beim Fun-Lauf wird der Körper ganzheitlich beansprucht. Bei einem Marathon ist es “nur” die Beinmuskulatur.

Ich persönlich hatte sehr viel Spaß und werde den einen oder anderen Fun-Lauf bei meiner Jahresplanung berücksichtigen. Wie beim Marathon, von dem man sagt, dass Läufer nach den ersten 42,195 Kilometern süchtig sind und weitere Marathon-Läufe absolvieren, scheint es auch mit Tough Guy Competitions zu sein. Ich habe, im wahrsten Sinne des Wortes, Blut geleckt und werde wieder antreten …

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz