Interview: Ingo Pelkner

Logo des Triabolos Triathlon Hamburg e.V.

Ingo Pelkner ist Triathlon-Trainer bei den Triabolos Triathlon Hamburg e.V. und leitet das Rookieprogramm, welches Triathlon-Einsteiger (Rookies) in 12 Wochen unter professioneller Leitung  auf den ITU World Triathlon Hamburg vorbereitet.

Im Rahmen eines Screenings vonWechselzeiten1 hat Ingo uns ein paar Fragen zum Thema Triathlon beantwortet.

 

Transkript des Interviews:2

Was ist Dein bester Tipp für den Start? Wie geht man einen Triathlon an?

Der beste Weg ist tatsächlich, sich einem Programm anzuschließen oder sich einen Verein zu suchen, der die individuellen Belange am besten abdeckt. Ich kann nicht sagen, dass die Triabolos tatsächlich federführend sind. Wenn man leistungsorientiert trainieren möchte, ist man bei den Triabolos nicht unbedingt gut aufgehoben, da wir ein Breitensportverein sind.

Wenn man 20 Jahre nichts gemacht hat oder mit Sport anfangen möchte und sich Triathlon aussucht, weil Hamburg eine wahnsinnig geile Triathlon-Stadt ist, – wir haben den geilsten Triathlon Deutschlands, wenn nicht sogar Europas auf dieser Distanz – dann ist es ideal, sich einer solchen Gruppe anzuschließen.

Es ist unheimlich wichtig die Motivation hoch zu halten. Es gibt immer wieder Phasen, in denen es nicht gut läuft. Dann kann eine solche Gruppe unheimlich motivieren. Wenn ich sehr motiviert bin, und das ist oft bei Männern so, mündet dies meist in Übermotivation und das zieht schnell Verletzungen nach sich. Dann ist es gut, wenn das jemand beobachtet und sagt, mach mal ein bisschen sutsche und nimm ein Bisschen raus.

Was sind die größten Anfängerfehler und wie kann man diese vermeiden?

Es ist ein Fehler sich zu hohe Ziele zu setzen oder sehr konkrete Ziele zu haben. Wenn man sich die Ergebnisliste in Hamburg raussuche und sage, ich will genau die Zeit machen. Ich glaube, die Wenigsten wissen, was in Ihnen steckt und neigen dazu schnell zu überzocken. Sie haben gesehen, wie jemand eine gewisse Zeit erreicht hat und glauben, das müssen sie auch können.

Ich glaube, man muss sich ganz individuell an den ersten Triathlon ran tasten und ganz wenig auf ein ganz besonderes Ziel hinarbeiten. Gerade das erste Mal soll ganz viel Spaß bringen. Ziel sollte sein, durchzukommen und dabei Spaß zu haben. Es sollte nicht darin münden, dass man sich kaputt macht oder verletzt, nur weil das Ziel zu hochgesteckt wurde.

Kann es nicht motivierend sein, wenn das längerfristige Ziel ein Ironman ist?

Aber dann sollte es tatsächlich so sein. Was mir jedoch gerade in den letzten Jahren ganz häufig begegnet ist, ist die konkrete Aussage: ich mache jetzt olympisch, im nächsten Jahr mache ich Mitteldistanz und dann kommt der Ironman.

Man ist zu stark auf das Fernziel fixiert, welches eigentlich gar nicht so fern ist. Klassische Triathleten haben sich Jahre dahin trainiert. Dies kann man auch medizinisch, anhand der Veränderung von Strukturen im Körper, begründen. Es gibt Muskeln, die sehr schnell wachsen. Aber gerade die Veränderung von Sehnen, Bändern und Knochen benötigt Prozesse, die über Jahre verlaufen.

Es ist immer fatal, sich ein solches Ziel konkret vorzunehmen. Zwar kann man im Hinterkopf haben, dass es geil wäre einen Ironman zu machen. Wenn man jedoch bei einer Mitteldistanz merkt, dass man gar keine längeren Strecken machen möchte, sollte man dies erkennen und nicht zu fixiert darauf sein, weil man sich dieses Ziel mal gesetzt hat. Dann wird es zu einer Qual und es wird auch zum Stress.

Wenn man sich die Rookies ansieht, die werden alle nicht mehr in eine Hawaii-Quali reinlaufen. Die jüngste war, glaube ich, fünfundzwanzig. Das ist aber eher die Ausnahme. Wir haben eher ältere Semester.  Das sind Leute, die das einfach zum Spaß machen. Das sollte auch im Vordergrund stehen. Man nimmt sich den Spaß, wenn man zu strikt an solche Sachen rangeht und kann dann auch schnell scheitern.

Man sollte sich realistische Ziele im Kleinen setzen und sich vornehmen, erst einmal  anzukommen. Im Rookieprogramm sind alle, die an den Start gegangen sind, sind auch angekommen. Also haben alle, wenn sie das Ziel hatten durchzukommen, ihr Ziel erreicht. Danach kann man dann gucken, wie es weitergeht.

Müsste es nicht Quadrolon heißen, weil die vierte Disziplin Zeitmanagement ist?

Dann können wir tatsächlich noch ein paar Disziplinen draufsetzen. Dann sind es noch Zeitmanagement, Ernährung und auch die Regeneration ist für viele eine Herausforderung.

Viele Teilnehmer haben das Gefühl, sie würden zu wenig machen und eigentlich machen sie dann schon zu viel. Für viele ist es anstrengen das Pensum herauszunehmen und zu sagen: “Ich mach heute, verdammte Axt, gar nichts”.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir mit einem Ex-Triathlon-Profi zusammen gearbeitet. Dieser hat oft aus dem Nähkästchen geplaudert. Er hat sich jahrelang in Australien vorbereitet und sagt, die Australier nahmen sich, selbst als Profis, einen Tag komplett frei. Die machen dann nichts, um einfach mal in die Regeneration zu kommen.

Gerade Anfänger haben das Gefühl, mehr machen zu müssen. Nach vier, fünf, sechs Wochen des Rookieprogramms ist die größte Herausforderung, diese Teilnehmer wieder einzufangen und zu sagen, dass sie ein bisschen raus nehmen sollen. “Denkt daran, Ihr müsst auch mal pennen und irgendwann Regenerieren. Ihr müsst die Energie, die Ihr beim Training verpulvert irgendwoher ziehen. Das kann nicht sein, dass Ihr dann immer noch weiter trainiert. Es muss dann mal Ruhe einkehren.”

Ist ein Marathon mit einem Triathlon vergleichbar?


Das schöne ist, ich kann von beidem berichten. Ich habe eine Langdistanz gemacht, also einen Ironman, und bin auch einen Marathon solo gelaufen. Das ist etwas völlig was anderes.

Nach einem Ironman ist man nachher etwas entspannter, weil man, meines Erachtens insgesamt ein bisschen stärker haushält mit seinen Energiereserven. In meinem Fall waren es zehn Stunden dreiundvierzig, da musst Du mehr kalkulieren. Beim Marathon verausgabst man sich mehr auf den Punkt.

Zumal die meisten ein stärkeres Körpergefühl für das Laufen haben und das besser einschätzen können. Wenn man drei Disziplinen absolviert, braucht man eine unheimliche Erfahrung, was den Körper angeht, um schon beim Schwimmen einzuschätzen, was man noch leisten kann, um noch Rad zu fahren und man noch anständig Laufenzu können. Das sind Prozesse, die man über Jahre entwickelt.

Beim Marathon kann man schneller einschätzen, was man leisten kann und ob man nachher auch ankommt. Mach den Zielstrich einen Kilometer länger und diese Läufer kommen nicht an. Sie fallen vorher um, weil sie wirklich bis auf den Punkt trainiert sind und genau wissen, bis dahin und dann geht nichts mehr.

Bei einem Triathlon ist das relativ schwierig. Als Hobbyathlet hast Du nicht die Zeit, Dir so ein Körpergefühl aufzubauen. Bei einer Langdistanz sind es achtundzwanzig Wochenstunden, die Du neben dem Job absolvieren musst.

Da sollte man etwas konservativer vorgehen und die Sache ruhiger angehen. Man weiß, dass man 500 Euro für den Start bezahlt hat und will dann auch ankommen. Ansonsten wird das in teures Vergnügen.

Beim Marathon sagt man, das sei ein Einzelkampf. Siehst Du das beim Triathlon auch so oder der ist es am Ende doch ein Mannschaftssport?

Ich glaube, wir sind gerade im Wandel. Gerade mit den neuen Distanzen und den neuen Formaten hat es sich ein bisschen mehr in Richtung Teamsport entwickelt, auch wenn man den Sport im Wettkampf nicht im Team betreibt.

Es hat sich ein Sportgeist entwickelt, der auch andere Sportler mit einbezieht. Es ist nicht mehr so wie früher, dass man einen Ironman oder einen Triathlon ganz für sich alleine macht, für sich alleine trainiert und am Ende ganz fokussiert in die Wechselzone kommt.

Das hat sich durch die Vereine und tatsächlich auch durch bestimmte Formate, wie dem Teamsprint, den wir gestern3 gesehen haben, verändert.  Beim Elbetriathlon hier in Hamburg machen wir es ja jetzt auch. Da formt sich dann auch tatsächlich ein Team. Das ist etwas, was wir gerade in Deutschland lernen müssen. Auch da gibt es Vorbilder in anderen Ländern. Gerade in Australien gibt es ganz viele Trainingsgruppen.

Natürlich wird der Wettkampf nachher alleine absolviert. Es gibt auch immer Trainingseinheiten, die man allein absolvieren muss, weil man individuell für sich Tempi braucht.

Der Gedanke, diesen Sport zusammen zu machen setzt sich immer mehr durch, weil man von einer Gruppe, deren Erfahrungen und natürlich von der Motivation, die sich in so einer Gruppe entwickelt, partizipiert. Das sehe ich auch immer wieder bei den vierzig Rookies, die sich zu Anfang gar nicht kennen. Irgendwann entwickelt sich eine Gruppendynamik und das zieht.

Es kommt immer wieder zu Ummeldungen. Die Teilnehmer habe sich ursprünglich für die Sprintdistanz entschieden und plötzlich wollen sie doch ganz gerne auf die olympische. Das kommt dann durch die Gruppendynamik, welche ungemein pusht. Aus diesem Grund nutzen viele das Angebot, so etwas im Verein zu machen.

Aber auch hier in Hamburg muss man immer noch ne ganze Menge selber tun, damit so eine Gruppe leben kann. Weil die Gruppendynamik im Verein nicht ganz so stark gefördert wird, wie in anderen Vereinen. Dort gibt es schon seit Jahren Förderprogramme in der Jugend und den einzelnen Altersklassen. So etwas gibt es hier in Hamburg im Speziellen bei den Triabolos nicht. Das ist eher ein loser Verbund mit viel Eigenmotivation und viel eigenem Engagement. Wenn man diese jedoch mitbringt, kann man ganz, ganz viel erreichen.

Ich glaube, diese Einzelkämpfer wird es immer geben. Aber es gibt mittlerweile auch viel im Bereich des Teamsports.

  1. Kinofilm über das Rookieprogramm der Triabolos
  2.  Zur Vereinfachung der Lesbarkeit wurde das gesprochene Wort angepasst
  3. im Rahmen des ITU World Triathlon Hamburg

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